Übersicht der B Corp Richtlinien, Handbücher und Kodexe

Wer einen Blick in das B Impact Assessment geworfen hat, stellt fest, dass B Corp die Erstellung von Richtlinien, Handbüchern und Kodexen anregt. Dazu gehören:

 

  1. Mission Statement (bis zu 0,25 Punkte)
  2. Verhaltenskodex für Mitarbeitende („Code of Conduct“, bis zu 0,50 Punkte)
  3. Verhaltenskodex für Partner*innen und Zulieferer (bis zu 0,63 + 0,16 Punkte)
  4. Whistleblowing Richtlinie (bis zu 0,20 Punkte)
  5. Mitarbeitenden-Handbuch („Employee Handbook“, bis zu 0,33 Punkte)
  6. Richtlinie für den Einkauf von umweltfreundlichen Produkten (bis zu 1,18 Punkte)

 

Bitte beachten: in diesem Artikel gebe ich keine Hinweise auf die genaue Ausgestaltung dieser Dokumente. Grundsätzlich sehen diese von Unternehmen zu Unternehmen sehr unterschiedlich aus. Manche konzentrieren sich auf das Nötigste und erstellen ein Word-Dokument mit Bulletpoints. Manche entwickeln eine Präsentation, die 150 Folien beinhaltet. Andere wiederum kreieren eine 3-seitige PDF mit schönen Illustrationen oder gar ein eigenes Trello-Board. Jedes Format hat seine Berechtigung.

In diesem Artikel fasse ich zusammen, was genau diese Richtlinien und Leitsätze in Bezug auf das B Impact Assessment beinhalten sollten und verweise auf Beispiele anderer B Corps sowie weiterführende Informationen. Denn je nach dem wie „vollständig“ sie sind, gibt es mehr oder weniger Punkte.

 

1. Mission Statement

 

Heutzutage ist es für Unternehmen selbstverständlich ein Mission Statement zu haben. Es ist das Leitbild, das den Zweck („Purpose“) des Unternehmens in einer einfachen, handlungsbasierten Aussage beschreibt. Darüber hinaus kann es eine Selbstverpflichtung gegenüber positivem sozialen und ökologischen Impact aussprechen. Viele B Corps kommunizieren innerhalb des Mission Statements auch

  • ein allgemeines Commitment gegenüber sozialer und ökologischer Verantwortung
  • welche konkreten SDGs sie mit der Mission adressieren
  • welche konkreten sozialen bzw. ökologischen Ziele sie verfolgen, z.B. Armutsbekämpfung oder saubere Energie
  • eine Selbstverpflichtung zur Unterstützung bedürftiger Zielgruppen, z.B. Einkommensschwache oder Kleinbauern

Beispiele:

Allos Hofmanufaktur
Chiesi
Erdbär Freche Freunde

 

2. Verhaltenskodex

 

Der Verhaltenskodex ist ein formelles Dokument, das die Erwartungen der Organisation an das Verhalten der dort arbeitenden Personen festlegt. Oft ist dieses Bestandteil des Mitarbeitenden-Handbuchs. Das B Impact Assessment weist darauf hin, dass dieses bestenfalls auch folgende Bestandteile beinhaltet, um die volle Punktzahl zu erhalten:

  • ein Verbot von Bestechungsgeldern in jeglicher Form
  • eine formale Richtlinie, die den Umgang mit finanziellen Beiträgen für politisch-orientierte Verbänden, inkl. Spenden und Sponsoring, klärt
  • die Offenlegung von Finanz- und Sachspenden an politische Parteien, Verbände, Lobbygruppen sowie Wohltätigkeitsorganisationen und andere Interessenvertretungen

An dieser Stelle sei auch auf die „Zehn Prinzipien des UN Global Compact“ hingewiesen, die die Grundwerte unternehmerischer Nachhaltigkeit definieren. Sie fordern dazu auf so zu agieren, dass grundlegende Verantwortung in den Bereichen Menschenrechte, Arbeit, Umwelt und Korruptionsbekämpfung übernommen wird.

Beispiele:

Patagonia (Englisch)
Offizieller Leitfaden zur Entwicklung eines Verhaltenskodex von B Lab (Englisch)

 

3. Verhaltenskodex für Partner*innen und Zulieferer

Auch für Partner*innen und Zulieferer ist es sinnvoll einen Verhaltenskodex zu haben. Er schafft Klarheit bei der Auswahl und Bewertung von Lieferanten und bildet die Basis für die Zusammenarbeit. Der Verhaltenskodex kann z.B. Anforderungen an die Arbeitsbedingungen (u.a. Arbeitszeit, Sozialleistungen, Diskriminierungsverbot), die Gesundheit und Sicherheit der Mitarbeitenden, den Umweltschutz und/oder die Geschäftsethik beinhalten. Um Verbindlichkeit herzustellen, können Partner*innen aufgerufen werden den Verhaltenskodex zu unterschreiben.

Auch hier bieten die Zehn Prinzipien des UN Global Compact eine gute Orientierung.

 

4. Whistleblowing-Richtlinie

 

Der Begriff „Whistleblowing“ bezieht sich auf die Weitergabe von Informationen durch Mitarbeitende eines Unternehmens, der*die ein Fehlverhalten innerhalb der Organisation wahrnimmt. In diesem Sinne ist eine Whistleblowing-Richtlinie eine Erklärung, die diese Personen vor Repressalien schützt, wenn diese auf Nachlässigkeit oder Fehlverhalten innerhalb des Unternehmens aufmerksam machen.

Für Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitenden gilt zudem die EU-Whistleblower-Richtlinie, die zum 16.12.2019 beschlossen wurde und bis zum 17.12.2021 umgesetzt werden muss. Sie verpflichtet dazu, Kanäle einzurichten, über die Verstöße gegen nationales und EU-Recht gemeldet werden können.

Weiterführende Information:

Offizieller Leitfaden zur Entwicklung einer Whistleblowing-Richtlinie von B Lab (Englisch)

 

5. Mitarbeitenden-Handbuch

 

Ähnlich dem Verhaltenskodex basiert das Mitarbeitenden-Handbuch auf den Unternehmenswerten und geben handfeste Orientierung für das tägliche Miteinander. Darüber hinaus empfiehlt das B Impact Assessment folgende konkrete Bestandteile in Bezug auf:

  • den Schutz vor Benachteiligung, Diskriminierung, sexueller Belästigung und Gewalt, inkl. Berichtsmechanismen, Prozessen und Disziplinarverfahren (sowie möglicher Sanktionen)
  • Arbeitszeiten
  • Lohn- und Performance-Fragen
  • Sozialleistungen, Weiter- und Fortbildung und Urlaubstagen
  • die Beilegung von Streit und Beschwerden
  • die Neutralität in Bezug auf das Recht der Mitarbeitenden auf Kollektivverhandlungen und Vereinigungsfreiheit
  • das Verbot von Kinder-, Zwangs- oder Pflichtarbeit

Weiterführende Informationen:

Offizielle Leitfaden zur Erstellung eines Handbuchs von B Lab (Englisch)

 

6. Richtlinie für den Einkauf von umweltfreundlichen Produkten

 

Eine Richtlinie für einen ökologischen oder „grünen“ Einkauf ist eine formalisierte Verpflichtung, umweltfreundlichen Produkten (und Dienstleistungen) gegenüber konventionellen Produkten den Vorzug zu geben. Gemäß B Impact Assessment sollten diese folgende Produkte und Bereiche berücksichtigen:

  • Bau und Konstruktion
  • Teppiche
  • Reinigung
  • Elektronik
  • Fuhrpark
  • Lebensmittel oder Lebensmitteldienstleistungen
  • Landschaftsbau
  • Meetings und Konferenzen
  • Bürobedarf
  • Papier
  • Roh- und andere eingesetzte Materialien

Darüber hinaus lassen sich weitere Bereiche über die „Other“-Funktion hinzufügen. Ich rate dazu die für Ihr Unternehmen wesentlichen Wirkungsbereiche und damit verbundenen Produkte zu identifizieren, um jeweils die ökologisch sinnvollste Alternative zu benennen.

Weiterführende Information:

Leitfaden von StopWaste (Englisch)

 

Da es zurzeit nur wenige Beispiele für Richtlinien, Handbücher und Kodexe von B Corps auf deutsch gibt, freue ich mich auf Hinweise, um diese Übersicht laufend zu erweitern: karry@karryschwettmann.com.